Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Kopfstand Export auf Tour

Mehr zur Tour und anderen Lesungen und Konzerten:

Drei bescheuerte Kleinkünstler VI

Sechster und letzter Teil

[zum Anfang]

Leise Kazootöne rissen Sahara aus dem Schlaf.
Da kamen Paul und Hanz auf Tom und Shadia angeritten. „Kopfstand! Entspannung! Kopfstand!“, riefen sie. Sie trugen – warum auch immer – goldene Rüstungen und hatten riesige Kugelschreiberdolche dabei.

Ich erwachte orientierungslos im Friedrichshain. Verschlafen rieb ich mir die Augen, setzte mich auf und dachte an Kaffee. Draußen lag ein Hauch von Schnee. Heute war Kopfstand. Ich goß mir eine Tasse voll, setzte mich an den Tisch und starrte aphatisch nach draußen. Ich rief Hanz und Paul an, beide gingen nicht ans Telefon. Es war alles wie immer. Beruhigend. Ich trank noch einen Schluck Kaffee und freute mich auf den stressigen Tag, das halbfertige Skript, Hanz, der seinen Zug verpasst, Paul, der bis kurz vor knapp an seinen Texten schreibt. Heute war ein großartiger Donnerstag. Es war der verdammte 5.2.2017. Ich hatte noch keine Idee. Ich lächelte zufrieden.

Aus dem 19. Kopfstand. Text von Sahara. Nächster Kopfstand am 2. 2.

Drei bescheuerte Kleinkünstler V

TEIL 5

[Zum Anfang]

Ein Donnergrollen rollte einem Tsunami gleich über den Himmel.
Das war sonderbar. Im meditativen Wunderwald der phantastischen Ideen hatte es noch nie gedonnert.
Paul? Hanz?“ Es war gruselig hier. Sahara wollte nach Hause, doch sie konnte den Weg nicht mehr finden. Sie hatte sich im Gewirr des Ideenwaldes verloren und würde nie wieder herausfinden.
Das Donnern wurde lauter, es sah aus, als würde sich der Wald lichten. Was kommt nach dem Wald der Ideen? Das Nichts. Die Leere. Die Depression. Das sollte also Saharas jämmerliches Ende sein. Ein letztes Mal dachte sie an den Kopfstand. An die Elche, die den Grunewald besetzt hatten. An die esoterischen Skinheads, wie sie bis vor Kurzem noch in Batikshirt, Stonewashed-Jeans und Dock Martens durch den Wald getorkelt waren, ohmohmohm rufend, wie die Mitglieder der Sekte namens „Planet of Enchantment“ in ihren orangefarbenen Bademänteln Meditierbattles auf Verkehsinseln veranstaltet hatten. Undundund. All das würde nun von der Gegenwart in die Vergangenheit übergehen. Genauso wie sie selbst, Sahara b. Es war vorbei. Aus und vorbei. Sahara atmete tief durch und trat aus dem Wald, hin ins Nichts.
Und da saß es. Ein stacheliges Etwas, wie ein Virus, nur größer, die Augen, in denen vor lauter Pupille kaum noch Weiß zu sehen war, weit aufgerissen.
Wer zum Geier bist du?“, rief Sahara. „Bist du der Tod?
Stress!“, rief das Monster. „Jahahaha. Ich bin Stress! Willst du Stress oder was? Kannste haben. Steht direkt vor dir.
Was. Du bist Stress?
Jahahahaaaa. Stress ich dich denn auch?
Ja schon. Ziemlich. Hast du die ganzen Ideen gefressen?
Harharhar. Ja, hab ich. Das ist schließlich mein Job. Und jetzt fresse ich den Wald.
Verdammt.
Was sollte Sahara nur tun?
Der Stress lachte und nahm noch einen Happen.
Sahara gab auf, klappte erschöpft zusammen und ergab mich dem Stressmonster.

[Zum sechsten und letzten Teil]

Aus dem 19. Kopfstand. Text von Sahara. Nächster Kopfstand am 2. 2.

Drei bescheuerte Kleinkünstler IV

Teil 4

[zum Anfang]

Ein Gnu trat aus dem Gebüsch. Es hatte Hörner aus Aluminium.
„Hallo, hallo“, sagte das Gnu, „ich bin Gernot das Gnu und ich komme vom Back to the roots-movement und muss mit der FAE reden, dringend, dringend….!“
Och nö.
„Jaja ich weiß“, sagte Sahara.
„Das weißt du schon? Wahnsinn. Weißt du schon bescheid über die unterirdischen Eisbärenfarmen? Die gehen von Berlin bis nach Sachsen. Knut war gar nicht der, für den ihn alle hielten… Denn die Sowjetunion….“
„Ich hab jetzt keine Zeit für so nen Scheiß“, sagte Sahara. „Der Kopfstand ist eine ernsthafte und höchst seriöse kulturelle Veranstalungsreihe… ich muss weiter. Ciao.“
„Aber…aber…“ Sahara ließ das Gnu auf der Lichtung stehen. So was Bescheuertes.
Sahara machte einen großen Fehler, als sie einfach so alleine weiterwanderte. Wie sollte sie denn Ideen für den Kopfstand finden, wenn Hanz und Paul nicht dabei waren. Der dunkle Schatten des bescheuerten Kleinkünstlers, der so wahnsinnig lachte, kam näher und näher.
(mehr…)

Drei bescheuerte Kleinkünstler III

TEIL 3

[zum Teil 1]

Hier habe ich meine Kazoo verloren!“, sagte Hanz und zeigte auf ein Fleckchen Erde, das aussah, als wäre dort etwas explodiert.
Sahara platzte der Kragen: „ES GEHT JETZT NICHT UM DEINE KAZOO! WIR BRAUCHEN IDEEN! IDEEN! PAUL, SCHREIBT AM SKRIPT! LOOOOOS!
Mit wahnsinnig aufgerissenen Augen tippelte sie weiter. Paul und Hanz warfen sich vielsagende Blicke zu und begannen, die Kazoo zu suchen, während Sahara laut fluchend weiterstampfte.
(Kazoogeräusche) Paul und Hanz: „Hast du das gehört? Da? Da drüben…“
Schon bald war sie außer Sichtweite.
Sollten Paul und Hanz doch die blöde Kazoo suchen. Als ob es nichts Wichtigeres gäbe.
Wo um alles in der Welt waren nur die ganzen Ideen. Sahara setzte sich auf einen Baumstumpf und starrte traurig ins Gras. Das hatte es noch nie gegeben. Keine einzige Idee weit und breit. Seltsam, geradezu unheimlich. Sie dachte an die Kopfstände der vorherigen Monate, als sie zu dritt durch den Wald spaziert waren, umringt von mehr Ideen, als sie verwenden konnten. Wo waren sie bloß?
Sie durfte nicht aufgeben. „Tom?“, rief sie. „Tom der Elch? Bist du da? Shadia? Jürgen? Martina? Anja? Wo seid ihr alle? Wo sind die esoterischen Skinheads hin? Hallo?“
Keine Antwort.
Dann ein Rascheln. „Hallo? Hallo? Ich bins, Sahara b. Ich suche Ideen für den 19.Kopfstand. Ist da jemand?

[Zum 4. Teil]

Aus dem 19. Kopfstand. Text von Sahara. Nächster Kopfstand am 2. 2.