Archiv der Kategorie 'Jürgen'

Kopfstand 1

[Was bisher geschah]

DER BLUMENSTRAUSS

Herr Linsenmilch pflückte einen Blumenstrauß, den wollte er seiner Frau schenken. Allerdings hatte er keine Frau. Aber er hatte ein sonniges Gemüt und wußte, daß schenken glücklich macht, also schenkte er den Blumenstrauß einem Fremden, den er zufällig traf. Das war Herr Prillkemper. Herr Prillkemper freute sich über den Blumenstrauß, und noch mehr freute er sich über das gesparte Geld, denn er hatte soeben vorgehabt, bei Blume 2000 einen Blumenstrauß zu kaufen, um die Gunst der von ihm begehrten Frau Grumbach zu gewinnen. […weiter]

Lukas saß allein in der unaufgeräumten und stickigen Kellerwohnung im letzten verbliebenen Altbaukiez von Putacion herum. Während er leise vor sich hin las hatte Antonio noch eine Weile auf die Unverständlichen Wörter in seinem Rechner geschaut und den Ventilatoren gelauscht. Dann war er aufgestanden und gegangen. Lukas hatte das kaum wahrgenommen. Als Lukas den Text fertig gelesen hatte, blinzelte er in den 16 Ordnern herum, die auf dem Lapiz USB gespeichert waren. In den Ordnern waren eigenartige Dateien wie jpg, rtf, oder mp3. Was immer das auch heißen mochte. Das mit den 16 Ordnern aber, das musste ja irgendeinen Sinn machen. Dachte Lukas und öffnete KOPFSTAND1. Und dann die erste Datei:

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Die Massnahme

Wie ein Bächlein plätschern die Worte von Frau K. durch den ungeschmückten Raum mit dem U-förmigen Tisch, um den wir herumsitzen. Wir sind „totes Humankapital” und befinden uns in einer an das Arbeitsamt angeschlossenen Maßnahme, die wieder nützliche Mitglieder der Gesellschaft aus uns machen soll. Vielleicht soll sie das. Vielleicht soll sie aber auch ganz einfach das „tote Humankapital” mittels organinisierter Langeweile aus dem Bezug von Sozialleistungen herausdrängen, wofür spricht, daß von den anfänglich 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmern meines „Kurses” ganze 2 übriggeblieben sind. Von den anderen mögen sich manche einen Job besorgt haben; die Meisten dürften einfach eine Kürzung in Kauf genommen haben.
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Der Blumenstrauß

Herr Linsenmilch pflückte einen Blumenstrauß, den wollte er seiner Frau schenken. Allerdings hatte er keine Frau. Aber er hatte ein sonniges Gemüt und wußte, daß schenken glücklich macht, also schenkte er den Blumenstrauß einem Fremden, den er zufällig traf. Das war Herr Prillkemper. Herr Prillkemper freute sich über den Blumenstrauß, und noch mehr freute er sich über das gesparte Geld, denn er hatte soeben vorgehabt, bei Blume 2000 einen Blumenstrauß zu kaufen, um die Gunst der von ihm begehrten Frau Grumbach zu gewinnen. Dies glückte ihm nun mit Hilfe des zufällig in seinen Besitz gelangten von Herrn Linsenmilch gepflückten Blumenstraußes, wobei er Frau Grumbach – ohne ausdrücklich lügen zu müssen – in dem Glauben beließ, er, Prillkemper, habe die Blumen eigenhändig in seinem eigenen Garten gepflückt. (mehr…)